Name des Projekts:
Deutschland, siehst du das nicht?
Projektträger:
Christuskirche Pinneberg
Zeitraum:
31. Mai 2026, 18 Uhr
- Veranstaltung im Rahmen des Bundesförderprogamms Demokratie Leben!
- Musikalische Lesung zum Ende der Weimarer Republik
„Deutschland, siehst du das nicht?“ – Geschichte als Warnung in Pinneberg
Mit der eindringlichen Frage „Deutschland, siehst du das nicht?“ stand in der Christuskirche Pinneberg am 31. Mai 2026 ein Abend ganz im Zeichen der letzten Jahre der Weimarer Republik. Die musikalische Lesung mit Schauspieler Roman Knižka und dem Bläserquintett OPUS 45 verband Literatur, Musik und historische Reflexion zu einem ebenso bewegenden wie aktuellen Programm.
Zu Beginn wurde zunächst auf die Förderung durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ hingewiesen, ohne die die Veranstaltung nicht möglich gewesen wäre. Ebenso galt ein besonderer Dank dem Pinneberger Museum für die Zusammenarbeit.
Ausgehend von Kurt Tucholskys warnenden Texten, darunter die berühmte Zeile, die dem Programm seinen Titel gab, zeichnete Knižka die dramatische Entwicklung zwischen 1929 und 1933 nach. In literarischen Stimmen von Erich Kästner, Mascha Kaléko oder Bertolt Brecht spiegelten sich gesellschaftliche Verunsicherung, politische Radikalisierung und der schleichende Zerfall der Demokratie. Tucholskys Urteil über Hitler: „Den Mann gibt es gar nicht, er ist nur der Lärm, den er verursacht“, entfaltete dabei eine beklemmende Aktualität.
Ergänzt wurden die Texte durch historische Quellen wie Reportagen und Tagebücher. So wurde etwa die Journalistin Dorothy Thompson zitiert, die Adolf Hitler einst interviewte und ihn als Projektionsfigur des „kleinen Mannes“ beschrieb.
Einen besonderen Schwerpunkt bildete der regionale Bezug: Die ZuschauerInnen lernten, dass Schleswig-Holstein sich früh zu einer Hochburg der NSDAP entwickelte und sich diese Dynamik auch in Pinneberg deutlich zeigte. Bei der Reichstagswahl 1933 erreichten die Nationalsozialisten beispielsweise aus dem Stand 30,8 Prozent in Pinneberg. Durchweg wurden lokale Ereignisse eindrücklich eingeordnet, wie etwa die damalige Rede des Nazis und Pastors Heinrich Fölster zum Kriegerdenkmal am Pinneberger Bahnhof in der hiesigen Christuskirche. Parallel dazu wurde insbesondere die Arbeit der Initiative Denkort-am-Bahnhof hervorgehoben, die sich für ein kulturelles Gegengewicht zum Kriegerdenkmal am Bahnhof einsetzt und an diesem Abend die Spenden aus der Kollekte erhielt.
Auch echte Kontraste jener Zeit wurden lebendig dargestellt. So fiel der Blick auf den 17. Juli 1932: Während in Pinneberg beim Rosenfest bis zu 50.000 Besucher erwartet wurden, eskalierte im nahen Altona der sogenannte Blutsonntag; ein Ereignis mit 18 Todesopfern, das als Wendepunkt der Weimarer Republik gilt.
Am Ende stand eine zentrale Botschaft: Die Weimarer Republik war keine „Totgeburt“, ihr Scheitern nicht unausweichlich. Mit einem Zitat des Historikers Christoph Nonn schloss der Abend: „Das Ende der Demokratie ist immer abwendbar.“
Die Veranstaltung machte eindrucksvoll deutlich, wie eng Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbunden sind und wie wichtig es bleibt, wachsam zu sein.

